Durchhalten! Mutmach-Post für AutorInnen

Ihr Lieben,
wenn bei mir eine neue Lebensdekade beginnt (oh Gott ich bin alt! 😉 ), blicke ich gerne mal auf meinen Weg zurück und wundere mich dann meist, wie zum Teufel ich es bis hierher geschafft habe.  Im Grunde gibt es im Auf und Ab der Jahre nur eine wirkliche Konstante: das Schreiben. Mein Herzblut, meine Seele, meine Leidenschaft. Das ein und einzige, ohne das ich wirklich nicht leben kann.

Aber heute verrate ich euch ein Geheimnis: Den Großteil meines Lebens habe ich in dem Glauben verbracht, dass es keinen Sinn macht, Bücher zu schreiben, weil die Chance, einen Verlag zu finden viel zu gering ist. Natürlich habe ich trotzdem geschrieben – für mich und meine Freundinnen. Die Geschichten drängten, erzählt zu werden, aber sie waren nur zum Spaß. In meinem Kopf war dieses riesengroße „Geht nicht.“ Vom Schreiben kann man ohnehin nicht leben, ist also Zeitverschwendung, predigte mein Umfeld. Such dir lieber einen soliden Job! 

Ich gestehe: Ich hab es geglaubt.

Was alles änderte: An der Uni hatte ich eine wunderbare Dozentin, die sich trotz vielversprechender Karriere entschloss, hinzuschmeißen und eine Yogaschule zu eröffnen. Bevor sie ging erzählte ich ihr, wie sehr ich ihren Schritt bewunderte. Sie sagte in etwa: „Wenn du etwas aus ganzem Herzen tun willst und deine ganze Leidenschaft daran hängt, dann mach es einfach. Egal, wie gering die Aussichten auf Erfolg sind. Mach es!“
Ich glaube, das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich nie etwas anderes gewollt hatte, als Schriftstellerin zu sein.

Nach Jahren, in denen ich nichts anderes geschrieben hatte, als hunderte von englischen Fan Fics, versuchte ich mich erstmals wieder an einem Roman. Doch die alten Blockaden waren noch im Kopf. Ein Projekt nach dem anderen brach ich ab. Ganz im ernst: Ich habe Schränke voller halbfertiger Romane. Selbst, wenn mir nie wieder eine Idee kommt, bin ich bis an mein Lebensende mit genug Material versorgt, aus dem man noch was machen kann. 😉

Hier ist das Wichtigste, das ich als Autorin gelernt habe und der einzige Rat, den ich angehenden AutorInnen geben kann: Durchhalten. Durchhalten, wenn die Zweifel kommen. Durchhalten, wenn du das Gefühl hast, du schreibst nur Mist und alle werden es hassen. Durchhalten, wenn der Writer’s Block des Grauens dich aufhält. Durchhalten und immer, immer, IMMER weitermachen. Vielleicht ist deine Rohfassung wirklich grauenhaft. Aber weißt du was? Das macht nichts! Du kannst alles später überarbeiten. Schreib das Ding zu Ende! Und glaub mir, ich weiß, wie schwer das ist. Aber du kannst das!

An meinem deutschsprachigen Debüt „Café der Nacht“ habe ich drei Jahre gearbeitet. Es gibt zahlreiche Versionen. Dann erst war mein Baby „reif“ und ich traute mich, mein Manuskript Verlagen anzubieten. Mit Erfolg? Überhaupt nicht. Es kamen nur Absagen – absolut niederschmetternd. Es ist hart, weiter an ein Ja zu glauben, wenn man überall nur Nein hört. Durchhalten? Keine Spur. Ich war echt demotiviert und kurz vor dem Aufgeben, legte das Ding erst mal in die Schublade.

Aber irgendwann zog ich es wieder hervor und startete eine zweite Runde, diesmal bei kleineren Verlagen. Falls das nichts werden würde, würde ich Café der Nacht eben als Self-Publisher rausbringen. Weil – ich liebe diese Geschichte. Sie bedeutet mir so unheimlich viel. Ich konnte jetzt einfach nicht hinschmeißen. Das war ich meinen Figuren schuldig. Maxim und Monroe wollten hinaus in die weite Welt.

Und oh Wunder – plötzlich zeigten zwei Verlage Interesse und alles ging mit einem Mal ganz schnell. Zack – wums! Der Tag, als Café der Nacht erschien, war komplett surreal. Mein Lebenstraum war wahr geworden. Krasser Scheiß. Allen Unken (und vor allem meinen eigenen Zweifeln) zum Trotz. Woohoo! 😀

Wie viele von uns hatte ich das alte Bild im Kopf: Du bist erst eine richtige Schriftstellerin, wenn du eine Verlagsveröffentlichung hast. Das hat mich wahnsinnig unter Druck gesetzt, es schaffen zu müssen. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber meine Musen stehen so gar nicht auf Druck. Ich dachte, mein Manuskript muss perfekt sein. Immer weiter habe ich daran gefeilt, was mich unheimlich Zeit gekostet hat. Inzwischen weiß ich: Nö, perfekt muss es nicht sein – nur abgeschlossen. Für den Rest gibt’s das Lektorat. 😉

Seitdem habe ich einiges veröffentlicht, bei verschiedenen Verlagen und im SP. Beide Wege führen zum Ziel, und beide Wege sind gut. Der Verlag macht dich nicht zur AutorIn, sondern deine Einstellung zum Schreiben. Wenn du an deine Grenzen stößt und trotzdem weitermachst. Und glaub mir, du kannst das. Schreib schnell, schreib langsam, wirf alles fünf mal komplett über den Haufen – egal. Nur gibt nicht auf! Lass dich von den Zweiflern in deinem Umfeld nicht beeinflussen. Man muss schon besessen sein und vielleicht ein wenig bekloppt, um das durchzuziehen. Aber wir machen es trotzdem, und wir schaffen das. Weil nichts auf der Welt mit dem Gefühl vergleichbar ist, wenn die Finger nur so über die Tasten fliegen und die Story sich von selbst zu erzählen scheint.

Durchhalten. Nicht nachdenken. Schreib einfach!

Alles Liebe,
Susann

2 Replies to “Durchhalten! Mutmach-Post für AutorInnen”

  1. Bianca Nias sagt:

    Auch wenn mein eigener Weg zur Autorin komplett anders war, kann ich nur sagen: Danke, Susann, für diesen Mut machenden Beitrag 🙂
    Was du beschreibst, kennt bestimmt jeder in der schreibenden Zunft. Diese Selbstzweifel, dieser kritische Blick auf das eigene Geschreibsel und die bange Frage: Werden die Leser es lieben? Oder es in der Luft zerreißen?
    Wenn es bei mir wieder einmal soweit ist, werde ich mir einfach nochmal diesen Beitrag reinziehen…

    Ganz liebe Grüße,
    Deine Bianca

    • Yay! Ich freu mich, dass mein Beitrag dir wirklich Mut macht! 😀
      Diese Branche kann so hart sein und manchmal weiß man einfach nicht mehr, warum man das alles tut. Zum Glück ist die Liebe zum Schreiben stärker als alles andere. Erst wenn ich zurückschaue, merke ich, WIE stark sie eigentlich ist, und wie sie sich durch mein ganzes Leben zieht. 🙂

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