Gastbeitrag: Eine Hymne auf das gedruckte Buch

Heute Abend habe ich etwas ganz Besonderes für Euch: einen Gastbeitrag von Autorin Alana Falk! Im Gegenzug gibt es zeitgleich in ihrem Blog einen Gastbeitrag von mir. Wir haben uns beide Gedanken zum Thema „eBook versus Print“ gemacht. Und hier könnt ihr lesen, was Alana dazu meint:

 

Eine Hymne auf das gedruckte Buch. Oder doch auf das E-Book?
von Alana Falk

PortraitkleinWas kann mit dem Geruch eines Buches mithalten, der aus den Seiten steigt, wenn man es öffnet? Was kann den Klang ersetzen, der entsteht, wenn man die Seiten umblättert? Was das Gefühl der Seiten zwischen den Fingern?

Ein Buch zu lesen, spricht mehr Sinne an, als man denkt. Jedes Buch fühlt sich etwas anders an. Das große schwere Hardcover mit dem Lesebändchen birgt einen Hauch von Luxus. Die Klappenbroschur mit der glitzernden Prägung spricht das Auge an und verleitet dazu, das Relief mit den Fingern nachzufahren. Die dünnen Taschenbuchseiten machen beim Umblättern ein ganz besonderes Geräusch. Diese Sinneseindrücke wecken bei jedem von uns ganz eigene Eindrücke und Erinnerungen. Für mich zum Beispiel ist nicht nur ein Hardcover ein Luxus, den man sich selten gönnt. Als ich mit 13 angefangen habe, englische Bücher zu lesen, gab es noch kein Amazon. Dafür gab es einen wunderbaren Laden nur für englische Bücher. Leider waren auch die billigsten Taschenbücher, die man heute bei Amazon für 5 Euro bekommt, dort erst ab umgerechnet 10 Euro zu bekommen. Ziemlich viel, wenn man es von einem mageren Taschengeld bezahlen muss. Es war für mich deshalb immer etwas ganz Besonderes, wenn ich mir wieder eines dieser billigen englischen Bücher leisten konnte. Die dünnen Seiten, das Cover, das nach einem Mal Lesen schon unansehnlich ist, und besonders der Geruch nach billiger Druckerschwärze, den diese Bücher ausdünsten. Heute noch, wenn ich eines dieser amerikanischen Taschenbücher öffne, habe ich das Gefühl, etwas Besonderes in der Hand zu halten. Meinen ganz persönlichen Hauch von Luxus, der mich schon vor dem Lesen in Stimmung bringt.

All das fehlt, wenn man ein E-Book liest. Gut, vielleicht hat man sich eine Lederhülle gegönnt, die riecht sicher auch nicht schlecht. Aber es ist eben bei jedem Buch der gleiche Geruch. Statt Seiten umzublättern, streicht man nur über das Display. Vollkommen geräuschlos.

Also doch eine Hymne auf das gedruckte Buch? Jein.

Das alles hat nämlich auch sein Gutes. Mein Mann meckert nicht mehr, wenn ich nachts im Bett lese, weil die Seiten ihn beim Umblättern aus dem Schlaf reißen. Meine Hände tun nicht mehr weh vom Festhalten des riesigen Hardcovers, was besonders in Seitenlage noch nie besonders bequem war. Meinen E-reader kann ich so hinstellen, dass ich ihn gar nicht festhalten muss. Und auf dem E-Reader finden Tausende Bücher Platz und wiegen in meiner Handtasche doch nicht mal so viel wie ein einzelnes Taschenbuch. Ganz zu schweigen von dem Regalplatz, den man spart.

Der wichtigste Vorteil an einem E-Reader ist für mich aber etwas ganz anderes. Etwas, das zugleich die größte Gefahr daran ist. Man kann ein Buch sofort haben. Nicht erst übermorgen, wenn der Postbote es bringt. Oder Morgen, wenn es im Buchladen vorrätig ist. Auf meine amerikanischen Taschenbücher muss ich oft sogar eine ganze Woche warten, weil sie aus Amerika geliefert werden. Wie viel bequemer ist es da, einfach ein E-Book runterzuladen? Ich bin in der Stimmung für ein bestimmtes Buch, ich kaufe es, lade es runter und fange sofort an zu lesen. Ups, schon durch? Der zweite Teil muss her? Kein Problem. Ich muss nicht warten, bis ich es wieder in die Stadt in den Laden schaffe. Ich kann den zweiten Teil sofort haben!

Also eine Hymne auf das E-Book? Jein.

Das E-Book geht ins Geld. Sofort verfügbar, bequem vom Konto abgebucht. Hier 5 Euro, da drei Euro, dort ein Bundle für 6 Euro. Das kann schon ziemlich gefährlich sein, weil man schnell den Überblick verliert. Außerdem haut man sich wegen besagten zweiten Teils oft eine Nacht um die Ohren, die man sonst, in Ermangelung der Fortsetzung, schlafend verbracht hätte.

Was dann?

Dieser Artikel ist vor allem eines: Eine Hymne auf das Buch in jeder Form. Ich möchte meinen E-Book-Reader nicht mehr missen. Ich liebe es, auf Reisen nur noch ein schmales Teil mit mir rumschleppen zu müssen und nicht 10 kg Bücher wie früher. Aber ich liebe auch nach wie vor diesen Geruch von billiger Druckerschwärze und das Gefühl, ein Lesebändchen zwischen den Fingern zu zwirbeln, während ich in einem Buch versinke. Für mich bedeutet das nur eines: Ich will mich nicht entscheiden. Ein Glück, dass ich es auch nicht muss.

Über die Autorin

Blutrote_Schuhe_CoverRahmenAlana Falk schreibt romantische Fantasy, am liebsten Geschichten, die ans Herz gehen und wehtun. Ihr Debütroman „Die blutroten Schuhe“ ist 2013 im Machandel Verlag erschienen. Aber die Tastatur steht nie still und so sind für 2014 schon weitere Bücher geplant: Im April erscheint „Bis ins Herz der Ewigkeit“ bei Carlsen Impress und im Juni „Unendlich“, der erste Teil einer Trilogie, bei Bookshouse. Auf ihrer Website www.alanafalk.net könnt ihr miterleben, wie Alana Falks erster Roman sich von der Rohfassung in einen lesbaren Roman verwandelt, den es dort auch kostenlos zu lesen gibt. Besucht Alana auch auf ihrer Facebookseite, wo es regelmäßig Buchzitate, Gewinnspiele und vieles mehr zu entdecken gibt.

12 thoughts on “Gastbeitrag: Eine Hymne auf das gedruckte Buch

  1. Katie

    Es geht doch wirklich Nichts über den Geruch von Büchern… das hast du so stimmungsvoll beschrieben! Toller Beitrag, Alana!

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  2. Romy Wolf

    Was für ein wunderschöner Artikel!

    Ich habe mir für das Übersetzen einen Kindle besorgt. Als ich letztens im Krankenhaus war, hatte es schon seine Vorteile, nur den Kindle mitnehmen zu können, der gerade im Liegen doch wesentlich einfacher zu halten war 😉

    Aber ich merke auch, dass ich in der Regel nur günstige Romance-Sachen oder ggfs. mal den „Kindle Deal des Tages“ auf den e-Reader packe. Die Bücher, die ich wirklich haben will, werde ich mir wohl immer als Print kaufen. Und wenn das Regal überquillt, was soll’s. Bücher! 🙂

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    1. Susann Julieva Post author

      Bei mir ist das ganz unterschiedlich – ich kaufe mittlerweile auch teure oder „normalpreisige“ eBooks. Gerade bei Autoren, die ich schon kenne. Obwohl ich’s schon krass finde, wenn sich ein eBook vom Print nur durch 1-2 Euro unterscheidet. In dem Fall dann doch lieber Print!
      Lädst du dir eigentlich immer erst eine Leseprobe runter? Ich hab das eine Zeitlang gemacht und hab jetzt ewig viele Leseproben drauf, die ich ja doch nie lese… 😉 Irgendwie find ich’s besser, direkt auf der Webseite reinzulesen.

      So… und als nächstes bist du dran mit einem Artikel – wenn du magst! 😉

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      1. Romy Wolf

        Da bin ich dann doch geizig, wenn die eBooks – was ja meistens der Fall ist – im Preis nur ein oder zwei Euro drunter liegen. Da will ich für mein Geld dann ein „richtiges“ Buch haben, das auch noch schön im Schrank aussieht 🙂

        Nee, mache ich in der Regel nie, eben aus genau dem Grund. Ich will den Kindle niht so zumüllen. In der Regel verlasse ich mich da auf Rezensionen auf Websites oder direkt bei Amazon.

        Klar mag ich! Aber wo du da oben Indieautren ansprichst hätte ich ein Wunschthema für deinen Artikel bei mir: Self-Publishing, wie man gute Indiebücher findet und vielleicht noch ein paar Empfehlungen? 🙂

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        1. Susann Julieva Post author

          Was über Indies… das wäre schon interessant! Wie „man“ gute findet, weiß ich leider nicht, bei mir waren es erst mal Indies, die ich kannte, mit denen ich angefangen habe…

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          1. Romy Wolf

            Ein Artikel einfach nur über Indiepublishing würde mich trotzdem interssieren, weil du ja aus erster Hand schreibst und das ja etwas ist, mitt dem ich selbst schon länger liebäugle. Immer spannend, da Erfahrungsberichte und Meinungen zu zu hören 😀

            Hättest du denn ein Wunschthema für mich?

          2. Susann Julieva Post author

            Einen Artikel über Indiepublishing müsste ich hinkriegen. 😉

            Hmmm…. Wunschthema. Wie wär’s mit „Vom Traum zum Autor“ – etwas über deinen bisherigen Weg?

  3. Romy Wolf

    Hach, da hattest du ja schon geantwortet 🙂

    Oh, das ist eine gute Idee 🙂 Vor allem, weil ich da vorgestern noch mit einer guten Freundin ausführlich drüber diskutiert habe 🙂

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