Ein Interview mit Jana Walther

Heute habe ich was ganz Feines für euch – zum einen hat meine Webseite einen frischen Look bekommen und ist jetzt auch für die Ansicht auf mobilen Geräten optimiert. Das wollte ich schon ewig umsetzen, jetzt hat es mal geklappt! Zum anderen habe ich zu eurem Lesevergnügen ein Interview mit meiner lieben Autorenkollegin, der wunderbaren Jana Walther!

Jana habe ich zunächst über einen Autoren-Büchertausch kennengelernt, in dem wir uns gegenseitig ein Buch schenkten. So kamen wir in Kontakt und haben uns im November 2014 auf der BuchBerlin endlich auch mal live getroffen. Sie hat mich ja bereits interviewt – nun ist sie an der Reihe!

Ein Interview mit Jana Walther

Was bedeutet es für dich, zu Schreiben? Kannst du das für uns in Worte fassen?

Das ist gleich die schwierigste Frage und ich kann es nur schwer in Worte fassen. Irgendwie ist es mein Leben, es prägt mein Denken und Fühlen. Die Geschichten sind ein Teil von mir.

Erzähl uns ein wenig über deinen Schreibprozess – von der ersten Idee zum fertigen Manuskript. Wie gehst du vor?

Idee entstehen bei mir sehr unterschiedlich – eine Beobachtung, ein Haus, eine Filmszene oder Stimmung. Das schreibe ich auf und es wächst, andere Ideen kommen dazu, eine gewisse Handlungsstruktur. Dann lasse ich es eine Zeit liegen oder schreibe los. Detaillierter in die Planung gehe ich erst beim Schreiben, dazu führe ich eine Tabelle mit den Szenen und Eckdaten.

Ich lese gerade „Benjamins Gärten“ und mich beeindruckt dein sehr direkter, unmittelbarer Stil, mit dem du eindrucksvolle Bilder im Kopf des Lesers erschaffst. Hast du immer schon so geschrieben, oder war es ein Prozess, zu diesem Stil zu kommen?

Benjamins Gärten ist ja mein erster Roman, davor habe ich eine Reihe Kurzgeschichten und eine längere Erzählung geschrieben. Dabei habe ich verschiedene stilistische Sachen ausprobiert und mich dabei auch an Vorbildern orientiert. Benjamins Gärten war dann sicher noch mal ein Schritt hin zu einem recht eigenen Stil.

Wie lange hast du an „Benjamins Gärten“ gearbeitet und wie kam es zur Buchidee?

Die erste Idee zu dem Roman war wirklich eine Traumsequenz, die ursprünglich erste Szene des Romans habe ich geträumt. Insgesamt habe ich den Roman dreimal umgeschrieben, zuletzt aufgrund der Vorschläge des Verlages. Am Anfang habe ich sehr unstrukturiert geschrieben, mich sehr auf Stimmungen und einzelne Szenen konzentriert, das ging zu sehr zulasten der Dramaturgie. Es war harte Arbeit, alles unter einen Hut zu bekommen, da ich auch sehr an jeder einzelnen Szene hing. Von den ersten Sätzen bis zu Veröffentlichung sind acht Jahre vergangen. In der Zwischenzeit hatte ich schon „Im Zimmer wird es still“ geschrieben.

Welches sind deine Lieblingsautoren und Lieblingsbücher?

Es gibt eine Reihe, die ich sehr schätze und die mich auch beim Schreiben beeinflusst haben, z.B. Jim Grimsley, Peter Hofmann, E.M. Forster oder Waltraut Lewin. Andere Bücher, die ich gerne lese, sind z.B. die Harry-Potter-Bände oder der grandiose John Irving. Außerdem mag ich Bücher, die ich irgendwann mal im hintersten Regal der Bibliothek entdeckt habe. Sagte ich schon, dass ich eine Leseratte bin?

Gibt es eine Romanfigur, die du gerne mal „in echt“ treffen würdest?

Alle meine Figuren würde ich gerne mal in echt treffen, das wäre … irre. Zum Beispiel wäre ich gerne mal bei Benjamin zu Besuch. Für mich ist er wie ein kleiner Bruder. Wir würden alle im Garten sitzen und stundenlang quatschen.

Verarbeitest du Dinge in deinen Geschichten? Wie viel Jana steckt in einem Buch von dir?

Meine Romane haben alle autobiographische Bezüge, die mit rein fiktivem vermischt sind. Inwieweit das Verarbeitung war, weiß ich nicht, meine Absicht war es nicht, therapeutisch zu schreiben, wahrscheinlich läuft das unterbewusst ab. Jedenfalls sind alle sehr persönlich.
Dann gibt es in meinen Geschichten auch viele Kleinigkeiten von mir, wie dieser Blick auf die Natur, oder Wünsche/Vorstellungen, die ich so auslebe, wie z.B. Fotograf zu sein.

Man merkt auch genau, dass du weißt, worüber du schreibst. Was war das bisher Schönste, was du an Feedback für deine Bücher bekommen hast?

Ehrlich, da gibt es so viel! Wenn ich merke, wie ein/e Leser/in meine Geschichten, was ich darstellen wollte, auf einer tiefen Ebene verstanden hat, das ist einfach großartig. Und letztens hat ein Nachwuchsautor meine Bücher als Vorbild benannt – das geht natürlich runter wie Öl.

Du machst ja privat Bauchtanz. Wie kam es dazu und was gefällt dir besonders daran?

Als Shakira auftauchte, dachte ich: Wow, man muss das nicht in einem rosa Paillettenkostüm tanzen, das kann modern und kreativ sein. Ich hatte, wie wohl die meisten, nur ein sehr vages Bild davon. Der orientalische Tanz hat sehr vielfältiges Stile, so dass es nie langweilig wird. Von klassisch, über Folklore bis modern und Fusionen mit anderen Tänzen ist alles dabei. Es ist ein sehr anspruchsvoller Tanz, der aber auch viel Spaß macht. Der Tanz und die Bewegungen passen sehr gut zu mir und meinem Körper. Außerdem ist es als Autorin natürlich eine gute Sache für den Rücken 😉

Das glaube ich gerne! Sag, veröffentlichst du lieber bei einem Verlag, oder bevorzugst du Indie-Publishing?

Romanprojekte habe ich bisher lieber bei Verlagen veröffentlicht, aber mit meinem letzten habe ich mich für Selbstverlegen entschieden. Unter anderem, weil ich keine Kompromisse in der Alterskonstellation wollte. Was ich am Selbstverlegen auch schätze, ist die Flexibilität und die Möglichkeit für kürzere Texte. Aber natürlich arbeite ich auch gerne mit Verlagen zusammen.

Was sind deine nächsten Pläne? Woran arbeitest du momentan?

Ich habe viele Ideen für kurze Geschichten, die teilweise schon länger schlummern. Zur Zeit arbeite ich an „Der wahren Geschichte von Robinson Crusoe“, wofür ich viel recherchiert habe. Auch überlege ich, die Nebenhandlung aus „Nur eine Frage der Liebe“ aus Sicht der beiden Frauen zu erzählen, dann wären Phillip und Christoph die Nebenfiguren. Ach, Ideen habe ich viele.

Eine Frage noch zum Abschluss: Hast du eine Buchempfehlung für uns, einen Roman, den du jedem ans Herz legen würdest?

Wenn ich mich für einen entscheiden muss, dann nenne ich doch mal einen Klassiker, „Maurice“ von E.M. Forster, ein Buch, dass erst 60 Jahre nach seiner Entstehung erschienen ist – zum Glück wurde es uns nicht vorenthalten!

Liebe Jana, herzlichen Dank, dass du mir ein paar Fragen beantwortet hast! Es hat mir Riesenspaß gemacht, in Berlin mit dir zu plaudern. Alles Liebe und Gute für dich!

Jana Walther lebt in der Oberlausitz und schreibt seit ungefähr 2002. Sie begann mit Kurzgeschichten, 2010 erschien ihr erster Roman. Mehr über Jana erfahrt ihr unter www.janas-seiten.de

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