Social Media Müde

Ihr Lieben,

in letzter Zeit stelle ich immer öfter fest, dass ich mich nicht dazu aufraffen kann, durch endlose Instagram- und Twitter-Timelines zu scrollen. Facebook lese ich ja schon sehr lange nicht mehr, da mir dort die Atmosphäre mehr und mehr vergiftet erschien. Und der Gedanke, selbst etwas zu posten, wird zunehmend von einem dicken „Wozu eigentlich?“ begleitet.

Ich habe mal recherchiert und festgestellt, dass es tatsächlich so vielen Menschen ähnlich geht, dass es dafür einen Begriff gibt: Social Media Fatigue oder Social Media Burnout. Vor allem Early Adopters (also Leute, die von Anfang an viel auf Social Media unterwegs waren – so wie ich) sind betroffen.

Es ist das Gefühl, dass das alles zu viel ist. Dass man alles in endlosen Varianten schon mal gelesen und gesehen hat. Die Oberflächlichkeit, die Selbstdarsteller, die Trolle, die Boshaftigkeit mancher Diskussion und die unfassbare Dummheit von manchen Posts.

Ganz ehrlich, es wird so viel ohne Filter gepostet, ohne vorher zu überlegen: „Muss das wirklich sein?“. Da nehme ich mich selbst nicht aus, wenn ich mal wieder der Twitterwelt erzähle, wie lecker das Eis gerade schmeckt oder so einen Quatsch. Warum mache ich das? Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung.

Irgendwie ist mir das alles zu viel geworden. Ich habe das Gefühl, täglich eine wahre Flut von Posts auf diversen Social Media-Seiten lesen zu müssen – und dabei habe ich bereits Listen angelegt, um die für mich relevantesten Inhalte herauszufiltern, weil alles zu lesen einfach nicht mehr menschenmöglich ist.

Vor Kurzem habe ich (mal wieder) ein paar Tage eine „Social Media Pause“ eingelegt und festgestellt, dass mir das wie jedes Mal richtig gut getan hat. Der beste Nebeneffekt: Ich habe viel mehr geschrieben, weil ich a) viel mehr Zeit und b) einen freien Kopf hatte.

Nun wäre es scheinbar leicht, zu sagen: Ich ziehe mich komplett von Social Media zurück. Aber so einfach ist das nicht. Ich habe online Freundschaften geschlossen und viele interessante Leute kennen gelernt, an deren Leben ich nur auf diese Weise teilhaben kann. Nicht zuletzt ist Social Media wichtig, um mit meinen LeserInnen in Kontakt zu bleiben. Denn das ist liegt mir am Herzen und macht mir auch immer noch unglaublich Spaß.

Es geht auch mal analog: Über diese Postkarte einer Leserin hab ich mich riesig gefreut!

Was also tun? Einen goldenen Mittelweg scheint es nicht zu geben. Früher oder später zieht mich das Gefühl, alle Seiten checken zu müssen wieder in den alten Sog, der letztlich einen viel zu großen Teil meiner Freizeit und Schreibzeit frisst. Mich auf eine bestimmte Tageszeit festzulegen und zeitlich zu beschränken klappt nicht. Ich werde mir in nächster Zeit Gedanken dazu machen und versuchen, eine Strategie zu entwickeln, die für mich gesund ist.

Vielleicht habt ihr auch Erfahrung mit Social Media Müdigkeit. Wie geht ihr damit um? Ich würde mich über Tipps und Kniffe freuen!

Alles Liebe,
Susann

6 Replies to “Social Media Müde”

  1. Romy sagt:

    Ach, du. Diese Müdigkeit kenne ich tatsächlich nicht, aber das liegt vermutlich daran, dass ich online fast ausschließlich mit geschützten Profilen unterwegs bin, mich aus den meisten Dingen raushalte und gewisse Plattformen, wie zum Beispiel Tumblr, nicht mal mit nem Stock anfasse. Das funktioniert ganz gut, aber vermutlich auch nur darum, weil ich über SM kaum Marketing für meine Bücher betreibe. (Hab ich versucht, ist einfach nicht meins. Bzw. bekomme ich ohnehin so gut wie keine Leserrückmeldung, so dass sich das nicht lohnt.) In deinem Fall ist das natürlich sehr viel schwieriger, weil du SM so intensiv nutzt, um mit deinen Lesern in Kontakt zu bleiben :-/

    • Ist echt schwierig. Es sind nicht allein die LeserInnen, die mir da sehr wichtig sind (sonst könnte ich das im Prinzip auf Facebook reduzieren, denn darüber läuft der meiste Leserkontakt), sondern auch viele, viele Kontakte zu anderen AutorInnen. Die sind einfach nur über Social Media möglich und auch wirklich toll. Ich glaube, wahrscheinlich ist die einzige Möglichkeit, diese riesige Infoflut zu handeln, die Accounts, denen man folgt, auf das absolute Minimum zu reduzieren. Das werde ich zumindest mal ausprobieren. Vielleicht hilft’s. 🙂

  2. Nicht direkt Erfahrung mit Müdigkeit, aber ich habe schon mal meinen Account bei Facebook gelöscht, weil ich dort zu viel Zeit verbrachte und es ausgeartet ist (ich hatte ca. 3k „Freunde“ wegen irgendwelchen Spielen, die immer mehr Zeit und echte Interaktionen gefressen haben.
    Und ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt, wieder zu Facebook zurückzukommen, aber irgendwann wurde es wegen meines Studiums unvermeidlich (und seit ich es wieder habe, ist alles SO viel einfacher…).
    Was ich aber aus der FB-Zwangspause gelernt habe:
    Ich muss mein Netzwerk beherrschen, nicht mein Netzwerk mich. Sobald es zu viel wird, gehe ich weg. Aber nicht vollständig. Ich gucke trotzdem ab und zu mal rein, so ganz vorsichtig. Und irgendwann macht es wieder Spaß und alles ist gut.
    Wenn ich aus beruflichen Gründen keine Zeit für SoMe habe, dann habe ich keine. Und dann bin ich dort auch nicht (auch wenn das SEO-Teufelchen mir dann einredet, dass meine Reichweite in den Keller geht – so what? Kann man wieder aufbauen, das Ding…).
    Mein Refugium bleibt immer Twitter, weil ich das nur zu 25% direkt beruflich nutze. Die meiste Zeit nutze ich es privat, aus Spaß an der Sache (Facebook macht zwar auch Spaß, ist aber vom Gefühl her doch mit mehr Zwang verbunden) und auch vom Handy aus (was mit WinPhone bei FB nahezu unmöglich ist).
    Aber da musste ich auch erst durch die Zwangsabstinenz hin, dass ich vor allem eins im SoMe haben muss: Spaß.
    Und wenn ich mal keine Zeit habe und gerade keinen Spaß, dann bin ich dort nicht. Punkt.
    Keine Ahnung, ob meine Erfahrungen dir irgendwie helfen können, aber ich hoffe es sehr und drücke dich ganz fest.

    • Danke dir für deine Antwort, Katherina! Ich glaube, einen Account zu löschen, weil es zu viel wurde, das haben sicher die meisten von uns schon gemacht. Ich zumindest unzählige Male in den über 20 Jahren, die ich jetzt im Netz unterwegs bin. Irgendwann habe ich dann doch wieder neue Accounts erstellt, um mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Ohne geht irgendwie nicht, und mit irgendwie auch nicht. Seeeeufz.

  3. Hallo Susann,
    müde bin ich noch nicht, aber die Feststellung, dass ich mich abgrenzen muss, weil die Social Media sonst einfach zu viel Zeit und Energie frisst, habe ich auch schon getroffen. Es ist so verlockend, von einer Plattform zur nächsten zu hüpfen, weil es ja immer was Neues zu entdecken gibt. Am Ende des Tages ist man dann überall und nirgends gewesen und hat nichts von dem geschafft, was man sich vorgenommen hat.
    Deshalb habe ich die Zahl meiner Kanäle genauso begrenzt wie Katherina. Auch bei mir ist Twitter die Hauptplattform. Facebook benutze ich fast nur als 2. Blog und ganz gelegentlich stelle ich mal was bei Pinterest oder Instagram ein. Snapchat, Tumblr und was es sonst so alles gibt, schenke ich mir ganz. Über die Gründe habe ich hier schon mal gebloggt:
    https://nikeleonhard.wordpress.com/2016/09/14/social-media-hilfe-wo-soll-ich-denn-noch-ueberall-hin/
    (Schmeiß den Link und den Satz vorher einfach raus, wenn du keine Verlinkung willst 🙂 )
    LG
    Nike

    • Hey Nike! Ich bin eigentlich auch nur auf Twitter und Instagram, auf Facebook nur ab und an wegen meiner Leserinnengruppe. Alles andere habe ich schon rausgeworfen. Ich habe jetzt entschieden, mal den Weg zu gehen, die Anzahl der Accounts, denen ich folge, drastisch zu reduzieren. Da sind viele Leute dabei, mit denen ich nie Interaktionen habe oder deren Namen mir gar nichts sagen, wenn ich sie auf meiner Liste sehe. Ich folge eigentlich immer gerne zurück, wenn jemand mir folgt, aber das ist leider einfach nicht mehr zu schaffen.

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